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Dank KI: technische Hürde wird kleiner. Gute Ideen werden wichtiger.

Ich arbeite seit vielen Jahren als Trainerin. Und ich mag Online-Trainings. Wirklich. Nicht nur, weil man Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen zusammenbringen kann. Sondern auch, weil digitale Formate Möglichkeiten bieten, die in einem Seminarraum oft schwer umzusetzen sind.


Immer wieder hatte ich Ideen.
„Dafür wäre ein kleines Online-Tool praktisch.“
„Das wäre eine coole Möglichkeit zur Ergebnissicherung nach dem Seminar.“
„Das könnten die Teilnehmenden auch Wochen später noch nutzen.“
„Das wäre ein spannender Selbsttest.“


Und dann kam meistens der gleiche Gedanke: Schade. Ich kann so etwas nicht programmieren. Und jemanden dafür zu buchen: einfach zu  zeitaufwändig/zu teuer/… 


Mit unserem Projekt Gruppenspektakel konnten wir einige dieser Ideen trotzdem verwirklichen. Zum Glück gibt es Michael – unseren IT-Zauberer. Gemeinsam haben wir verschiedene digitale Tools entwickelt, die heute in Trainings, Workshops und Lernprozessen eingesetzt werden. Wirklich coole Möglichkeiten! Ich war und bin über jedes Tool super happy. 


Gleichzeitig habe ich gelernt: Zwischen einer Idee und einem fertigen Tool liegen viele Stunden Arbeit. Besprechungen. Anpassungen. Tests. Fehlersuche. Noch eine Anpassung. Und meistens noch eine. Das ist völlig normal. Gute Dinge brauchen Zeit.


Aber ganz ehrlich: Viele Ideen haben es deshalb nie über den Satz „Das wäre eigentlich cool ...“ hinaus geschafft. Nicht weil sie schlecht gewesen wären, sondern weil der Aufwand einfach zu groß war. Also sammelten sich über die Jahre in meinem Kopf jede Menge kleine und große Ideen. Manche landeten auf Notizzetteln, manche in Seminarunterlagen, manche verschwanden wieder.


Und dann kam KI.

Einfach nur ein Versuch – mit Folgen

Der erste Versuch war ein Meetingkosten-Rechner. Ein Versuch, nicht mehr, weil ich eine Idee brauchte, um die KI herauszufordern, zu testen, was möglich ist - für mich und die KI.  


Also bauten wir einen Meetingkosten-Rechner, die KI und ich.


Wer viel mit Teams arbeitet, kennt die Situation. Acht Menschen sitzen zwei Stunden in einem Besprechungsraum. Oder online. Oder beides. Irgendwer sagt: „Lassen wir uns das noch einmal anschauen.“ Zwei Stunden später schaut man auf die Uhr und fragt sich, ob diese Besprechung eigentlich produktiv war oder ob wir gemeinsam einfach sehr professionell Zeit verbracht haben.


Irgendwann dachte ich mir: ich möchte die Kosten eines Meetings sichtbar machen können. Grafisch, schnell zu erkennen, individuell nutzbar: Wie viele Personen sitzen im Raum? Wie lange dauert das Meeting? Was kostet eine Arbeitsstunde? Ein paar Eingaben. Ein Klick. Ein Ergebnis.


Früher wäre das genau die Art von Idee gewesen, die auf einem Notizzettel endet. Oder in einem Ordner mit dem Titel „Vielleicht irgendwann einmal“.  


Diesmal war es anders. Ich wollte einfach ausprobieren, ob das überhaupt geht, nicht mehr. Keine große Vision, kein Businessplan, kein strategisches Zukunftsprojekt. Ein Test, eher in der Kategorie: „Schauen wir einmal, was passiert.“


Also habe ich meine Idee beschrieben und begonnen, mit KI zu arbeiten. Und dann passierte etwas, womit ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte: Da war plötzlich ein funktionierender Prototyp. Er war noch nicht perfekt, nicht wunderschön, aber funktionsfähig. Ich habe Zahlen eingegeben. Der Rechner hat gerechnet. Ich habe andere Zahlen eingegeben. Er hat wieder gerechnet und sichtbar gemacht, was ich zeigen wollte.


An dieser Stelle begann ich, der Sache ein bissl zu misstrauen. Das konnte doch nicht so einfach sein. Heute muss ich darüber lachen. Damals habe ich den Rechner wahrscheinlich öfter getestet als nötig. Einfach weil ich wissen wollte, wo der Haken ist. 


Spoiler: Der Haken war nicht dort, wo ich ihn vermutet hatte. Das Tool selbst war überraschend schnell gebaut. Es auf meine Webseite zu bringen, war deutlich aufwändiger. Wer neugierig ist: Der Rechner existiert tatsächlich. Er ist nicht nur ein Beispiel für diesen Blogbeitrag. Er lebt und arbeitet auf meiner Webseite bis heute vor sich hin. 


Und genau dort hatte ich meinen ersten echten Aha-Moment: Es geht gar nicht darum, Programmieren zu lernen. Es geht darum, Ideen auszuprobieren, die früher nie eine faire Chance bekommen hätten. Und plötzlich werden sie möglich. Ich kann schwer beschreiben, wie viel Freude das macht.

 

Übermut, oder doch Realität?

Nach dem Meetingkosten-Rechner wurde ich, wie soll ich sagen ... produktiv. Oder übermütig. Wahrscheinlich beides.


Denn plötzlich war da ein Gedanke, den ich viele Jahre nicht gehabt hatte: Was wäre, wenn diese Idee tatsächlich umsetzbar ist? Und die nächste. Und die nächste. Und noch eine. Viele Jahre lang hatte ich Ideen oft automatisch gefiltert, nicht bewusst, eher aus Erfahrung. 


„Das wäre spannend.“
„Das wäre hilfreich.“
„Das wäre ein gutes Werkzeug für meine Teilnehmenden.“


Und irgendwo im Hinterkopf meldete sich sofort die innere Realistin: „Ja. Aber wer soll das bauen?“ Und plötzlich war diese Stimme deutlich leiser geworden. Nicht weil alles einfach war, ganz und gar nicht. 


Manche Tools waren in wenigen Minuten als Prototyp und vorhanden und brauchten wenige Anpassungen, bevor sie voll funktionsfähig waren. Andere haben mich etliche Abende, viele Tassen Kaffee und noch mehr Fragen an die KI gekostet und sich verhalten wie störrische Kinder in der Pubertät.


Manchmal habe ich geglaubt, wir wären kurz vor der Lösung. Die KI war anderer Meinung. Manchmal hat die KI geglaubt, wir wären kurz vor der Lösung. Die Realität war anderer Meinung. Es gab Sackgassen, Fehlermeldungen, kreative Missverständnisse und Momente, in denen ich kurz davor war, das Ganze in die digitale Wüste zu schicken.


Aber etwas hat sich grundlegend verändert: Die technische Umsetzung ist nicht mehr automatisch das Ende einer Idee. Sie wird zum Beginn eines Experiments. Und plötzlich können Dinge entstehen, die früher wahrscheinlich in meinem Ideenarchiv gelandet wären. 

Zum Beispiel ...

… der „Innere Dreh“. 

Die Idee dazu entstand direkt aus der Vorbereitung zu einem Seminar. 

Viele Menschen verbringen erstaunlich viel Energie damit, sich über Situationen zu ärgern, die sie im Moment gar nicht verändern können. Ein schwieriges Gespräch. Eine unfaire Entscheidung. Eine Kollegin. Ein Kollege. Eine Regelung. Ein Projekt. Das Leben findet da immer wieder kreative Möglichkeiten. Das Problem ist nur: Ärger kostet Kraft. Die Situation wird dadurch selten besser. Die eigene Stimmung meistens auch nicht.

Deshalb arbeite ich in Trainings und Coachings gerne mit Reframing. Oder einfacher gesagt: Wir verändern nicht immer die Situation. Aber wir können unsere innere Haltung dazu verändern. Das spart Energie, und macht handlungsfähiger.

Für ein Seminar entstand daraus die Idee, ein kleines Tool zu bauen, das genau dabei unterstützt. Eine Situation eingeben. Einen neuen Blickwinkel bekommen. Eine Reflexionsfrage mitnehmen. Die eigenen Gedanken festhalten. Fertig.

Und jetzt kommt der Teil, den ich selbst noch immer ein bissl absurd finde: Das gesamte Tool entstand innerhalb von ungefähr einer Stunde. Von der ersten Idee bis zur funktionierenden Anwendung. Natürlich könnte man daran weiterbauen. Man könnte zusätzliche Funktionen ergänzen, Designs verändern oder weitere Perspektiven einbauen. Aber für das Seminar war das gar nicht notwendig. Es hat genau das getan, was es tun sollte.

Und das war eine weitere wichtige Erkenntnis für mich: Nicht jedes Tool muss perfekt sein. Nicht jede Idee braucht ein Mammutprojekt. Manchmal reicht eine gute Idee, die zum richtigen Zeitpunkt verfügbar ist.

Früher hätte ich diese Idee wahrscheinlich in meinen Unterlagen notiert und gehofft, irgendwann einmal die Möglichkeit dafür zu finden. Heute konnte ich sie einfach ausprobieren und zur Realität machen. 
Übrigens: Hier kannst du den inneren Dreh ausprobieren. 

Und noch viel mehr...

Und dann kam eine Idee, die deutlich anspruchsvoller war.


In Trainings arbeite ich immer wieder mit schwierigen Aussagen. Aussagen, die sprachlos machen, Aussagen, bei denen man erst drei Stunden später unter der Dusche die perfekte Antwort findet. Du kennst das vielleicht: jemand sagt etwas Übergriffiges, etwas Sexistisches, etwas Rassistisches, etwas Respektloses. Oder einfach etwas, das einen komplett auf dem falschen Fuß erwischt. 


In meinen Trainings geht es immer wieder um genau solche Situationen und um Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Wir probieren Antworten aus. Wir analysieren ihre Wirkung. Wir suchen nach Formulierungen, die klar sind, ohne unnötig zu eskalieren.


Irgendwann fragte ich mich: könnte man mit KI so etwas auch digital trainieren? Eben nicht als Sammlung von Standardantworten, sondern als echtes Übungswerkzeug?

  • Ein Tool, das Menschen Situationen präsentiert.
  • Ein Tool, das auf Antworten reagiert.
  • Ein Tool, das Feedback gibt.
  • Ein Tool, das unterschiedliche Antwortmöglichkeiten sichtbar macht.

An diesem Punkt wurde die Sache plötzlich deutlich komplexer. Da ging es nicht mehr um einen Rechner oder ein paar Reflexionsfragen. Plötzlich brauchte es Benutzer:innen-Zugänge, unterschiedliche Rollen für Trainer:innen und Teilnehmende, individuelle Rückmeldungen, eine Anbindung an KI-Systeme, DSGVO-geeignet natürlich, und eine inhaltliche Logik, die nachvollziehbar, fair und brauchbar bleibt. 


Kurz gesagt, genau die Art von Projekt, bei der ich noch vor kurzer Zeit sofort gesagt hätte: „Das kann ich nicht.“ Und genau deshalb war ich selbst am meisten überrascht, als daraus tatsächlich funktionierende Trainingswerkzeuge entstanden. Nicht nur eines: mehrere. Das „Provokative Antworten Training“, das Tool „KLARE Antworten“, und weitere Ideen, die heute Menschen dabei unterstützen, schwierige Situationen zu üben, neue Reaktionsmöglichkeiten auszuprobieren und mehr sprachliche Sicherheit zu gewinnen.


Natürlich war das nicht mehr die Kategorie „eine Stunde und fertig“. 
Da gab es Fehlersuche, Sackgassen, Überarbeitungen und viele Gespräche mit einer KI, die manchmal ausgesprochen klug war und manchmal sehr kreative Vorstellungen davon hatte, was ich eigentlich gemeint haben könnte. Und manchmal der Frust über Nutzungslimits. 


Die spannendste Veränderung war nicht, dass ich plötzlich programmieren konnte (denn das kann ich immer noch nicht…). Die spannendste Veränderung war, dass ich begonnen hatte, Fragen anders zu stellen. Nicht mehr: „Kann ich das technisch umsetzen?“ Sondern: „Wie müsste es funktionieren, damit es für Menschen wirklich hilfreich ist?“

Technisch möglich UND sinnvoll?

Je mehr Tools entstanden, desto deutlicher wurde mir: Die Technik ist nicht der entscheidende Teil. Ein funktionierendes Tool zu bauen, ist das eine. Ein sinnvolles Tool zu bauen, etwas völlig anderes.


Die KI konnte mir helfen, einen Rechner zu programmieren. Sie konnte Formulare erstellen. Sie konnte Eingabefelder anlegen. Sie konnte Feedback ausgeben. Aber sie konnte mir nicht sagen, welche Frage in einem Training wirklich weiterhilft. Sie konnte mir nicht sagen, an welcher Stelle Menschen typischerweise hängen bleiben. Sie konnte mir nicht sagen, welche Formulierung motiviert und welche Widerstand erzeugt. Sie konnte mir nicht sagen, wann ein Perspektivenwechsel hilfreich ist und wann jemand zuerst einfach gehört werden möchte. 


Das kommt aus einem anderen Bereich, aus Erfahrung, aus vielen Jahren mit Gruppen, aus Workshops, die wunderbar funktioniert haben. Und aus einigen, bei denen ich hinterher sehr genau wusste, was ich beim nächsten Mal anders machen würde. 


Die technische Hürde wird kleiner, die Bedeutung guter Inhalte wird größer. Denn plötzlich können viel mehr Menschen Ideen umsetzen. Das ist großartig.


Aber dadurch wird die Frage wichtiger, welche Ideen tatsächlich sinnvoll sind. Ein schlechtes Konzept wird durch KI nicht automatisch besser. Eine langweilige Übung bleibt auch digital langweilig. Eine schlechte Frage bleibt eine schlechte Frage, selbst wenn sie auf einer besonders schicken Webseite steht.


Was wirklich zählt, sind nach wie vor die Dinge, die mich schon vor KI beschäftigt haben:

  • Wie lernen Menschen?
  • Was bringt sie zum Nachdenken?
  • Was hilft ihnen im Alltag weiter?
  • Welche Erfahrung bleibt hängen, wenn das Seminar längst vorbei ist?

Vielleicht war genau das meine größte Überraschung. Je mehr ich mit KI gearbeitet habe, desto mehr Wertschätzung bekam ich für das, was Menschen mitbringen: Erfahrung. Fachwissen. Neugier. Die Fähigkeit, gute Fragen zu stellen. Und die Kunst, aus einer Idee etwas zu machen, das anderen tatsächlich hilft.

Ich bin noch immer keine Programmiererin...

Heute stehen auf meinem Computer deutlich mehr Tools, als ich jemals geplant hatte. Manche sind klein, manche komplex, manche werden regelmäßig genutzt. Manche waren vor allem spannende Lernprojekte. Und wahrscheinlich werden noch weitere dazukommen.


Nicht, weil ich plötzlich Programmiererin geworden bin, das bin ich bis heute nicht. Sondern weil sich etwas verändert hat. Zwischen einer Idee und einem ersten funktionierenden Prototyp liegt heute oft kein monatelanges Projekt mehr. Manchmal reichen Neugier, Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen.


Natürlich klappt nicht alles, es entstehen Sackgassen. Natürlich gibt es Momente, in denen man kurz, oder auch länger, mit der Technik „diskutiert“. Wobei „diskutieren“ in meinem Fall gelegentlich bedeutet, den Bildschirm streng anzuschauen und zu fragen, ob das jetzt wirklich sein Ernst ist. 


Aber trotzdem hat sich etwas verschoben. Früher dachte ich: „Schade, dass ich das technisch nicht umsetzen kann.“ 
Heute denke ich:

 

„Was wäre, wenn es doch geht?“